Mitten in allen Veränderungen suche ich das was bleibt?

Neulich stellt ein junger Mann die Frage: “Was wird die nächsten Jahre bleiben?“. Die hat mich nicht mehr losgelassen. Ich versuche mich mit dem neuen auseinanderzusetzen, spekuliere, was die Veränderungen auslösen werden, wie wir wohl in zehn Jahren leben werden, und manchmal kriecht ein ängstliches Gefühl in mir hoch, ob ich mitkommen werde, ob ich noch etwas bedeute in dieser veränderten Welt.

Foto: Rainer Wälde

Macht es Sinn ein Rosenbeet zu pflanzen?

Ich sitze auf der Erde und der Rücken schmerzt. Aus vielen Erdklumpen habe ich Wurzel von Unkraut und alten Pflanzen mit meinen Händen entfernt. Genau genommen ist es schon die zweite Runde. Die Stunden vergehen wie im Flug. In der Osterzeit kommt mir der Gedanke hinter dem Uhrenhaus endlich das Rosenbeet zu pflanzen, das seit Jahren in meinem Herzen ist. Während ich da sitze, die Kälte vom Boden spüre und meine Kniee, mein Rücken und die schmerzenden Hände mich einladen, diese ganze Aktion zu beenden, melden sich Zweifel. Welchen Sinn hat es ein Rosenbeet zu pflanzen, sollte ich nicht lieber meinen Freunden auf Facebook endlich wieder Aufmerksamkeit schenken, das Buch über agile Führung lesen, meine Software optimieren und dafür sorgen, dass ich schneller und besser werde. Es zieht mich ins Büro, um dort sinnvoll zu arbeiten.

Was wird bleiben?

Nein, ich mache hier weiter ich werde an diesem Projekt dranbleiben. Dieses Beet wird die nächsten Jahre bleiben. Während ich weiter mit dem Spaten hantiere und Wurzeln entferne denke ich nach. Immer wieder habe ich das Vorhaben verschoben, weil es wichtigeres gibt und wenn ich ehrlich bin, Gartenarbeit war nicht gerade meine größte Leidenschaft. Doch die Stimme in meinem Herzen hat mich immer wieder erinnert. In allen Veränderungen ist sie geblieben. Was wird bleiben? Auch in den kommenden Jahren werde ich Weisheit brauchen, gut mit meiner Zeit umzugehen, mit Menschen lebendige Beziehungen zu pflegen, und meine Berufung zu gestalten.

Den inneren Schweinehund überwinden

Endlich nehme ich mir Zeit das Rosenbeet zu pflanzen. Der innere Schweinehund wollte mich stoppen. Du hast doch keine Ahnung von Rosen. Das hast Du noch nie gemacht. Und wenn Du den ganzen Invest betreibst und es dann nichts wird hast Du wertvolle Zeit verschwendet. Ich bin mir sicher auch in den kommenden Jahren werden innere Zweifler bleiben.

Lernen und Kompetenzen aufbauen

Ich bedanke mich für die wichtigen Fragen und gehe ins Internet und mache einen Crashkurs in Sachen Rosenpflanzen. Das Rosendorf in Steinfurth kommt mir in den Sinn. Dort suche ich dann Rosen, die mir gefallen. Und jetzt gibt es kein Halten mehr. Ich organisiere einen Termin bei einem der Anbieter und frage Rainer und Helms ob sie mitkommen möchten.

Die Bodenpflege

Wie ich jetzt weiß brauchen Rosen einige Stunden Sonne am Tag und der Boden ist sehr wichtig für ihr gutes Wachstum. Also kaufe ich einen Spaten und beginne das Beet in der passenden Lage umzugraben. Die meiste Zeit kostet die Bodenvorbereitung. Ich ahnte nicht wie viele Wurzeln in der Erde steckten, die den jungen neuen Pflanzen den Lebensraum streitig machen würden. Es erschien mir unmöglich sie alle zu entfernen. Ich grub das Beet tatsächlich zweimal um und habe dann jeden einzelnen Erdklumpen ausgelesen. Auch das wird bleiben. Auch in Zukunft braucht gesundes Wachstum einen guten Boden. Wenn etwas Neues gedeihen soll braucht es Platz und Energie. Unwillkürlich fällt mir die Geschichte mit dem Herzensboten ein. Meine inneren Haltungen brauchen ebenfalls Pflege. Herzenspflege bleibt. Sie ist unsichtbar, mühsam und in der to-do Liste nicht dringend.

Pflanzen mit Risiko

Nach einem wunderschönen Einkaufserlebnis stehe ich jetzt mit den 24 Rosenstöcken vor dem vorbereiteten Beet. Ich befolge genau die Anweisungen. Erst mal müssen tiefe Löcher gegraben werden, dann kommt Spezialerde in die Löcher und jetzt kommt der Moment des Einpflanzens. Die Wurzeln sollen an einem Stück aus dem Topf kommen. Beim ersten Stock ging alles gut. Er sitzt jetzt mit kleinem Häufchen an der Oberfläche in der Erde. Siegessicher hole ich die zweite Pflanze aus dem Topf und die Wurzel zerfällt in viele Teile. Auch bei der dritten und vierten. Mich verlässt der Mut und ich lasse die weiteren Rosentöpfe nach Anweisung zwei Tage stehen in der Hoffnung, dass die Wurzeln an einem Stück auf dem Topf kommen. Die vierte Wurzel pflanze ich ohne Schwierigkeiten, die fünfte zerfällt wieder. Auch die sechste und siebte. Jetzt muss ich eine Entscheidung treffen. Die freien Tage gehen zu Ende und deshalb pflanze ich nun alle Stücke egal ob die Wurzeln auseinanderfallen oder nicht. Mich beschleichen Sorgen. „Werden die Rosen unter diesen Bedingungen gut anwachsen und gesund blühen?“

Auch das wird bleiben. Neue Schritte bringen Risiko mit sich. Der Erfolg ist nicht garantiert. Wir können unser bestmögliches tun und dann gilt es zu vertrauen. Das mache ich, ich segne das Rosenbeet und lenke meine Sorgen zur Hoffnung.

Die ersten Wochen waren sehr spannend. Nach zwei Monaten blühten die Stöcke zum ersten Mal. Ich bin unglaublich glücklich und genieße diese Pracht. Die Bienen freuen sich seit Wochen am Lavendel, der das Beet einsäumt. Der Duft und die Schönheit dieser Pflanzen haben schon viel Hoffnung und Lebensfreue versprüht. Ich bin davon überzeugt, das auch in der neuen Welt in die wir hineingehen, mutiges Umsetzen, gute Bodenpflege, Lernbereitschaft und Mut etwas zu bewegen bleiben wird und Früchte trägt.

Gerne können Sie bei uns im Gutshof vorbeikommen. Wir möchten Sie dabei untersützen.


Ilona Dörr-Wälde

Ilona Dörr-Wälde unterstützt Menschen, ihre persönliche Berufung zu entdecken und neue Kraftquellen zu erschließen. Im „Kloster auf Zeit“ lädt sie zu einer geistlichen Reise ein.



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