P. Franz Jalics

Franz Jalics, 1927 in Budapest geboren, kam als 17-jähriger Offiziersanwärter nach Deutschland und machte während einer Bombardierung Nürnbergs eine tief greifende religiöse Erfahrung.

http://www.jesuiten.org/aktuelles/details/article/erklarung-von-pater-franz-jalics-sj.html

Quelle: http://www.jesuiten.org/aktuelles/details/article/erklarung-von-pater-franz-jalics-sj.html

Nach Kriegsende plötzlich zum Flüchtling geworden, wartete er ein Jahr lang in einem Lager auf seine Ausreise in die Heimat und war so zum Nichtstun verdammt. Bei stundenlangen Spaziergängen durch die oberbayrische und oberpfälzische Gegend erfuhr er die reinigende Wirkung der reinen Naturbetrachtung. Die Natur sei – wie er später sagte – eine „hervorragende Lehrmeisterin der Kontemplation“.

Sein Eintritt in den Jesuitenorden und seine folgenden theologischen und philosophischen Studien führten ihn u. a. nach Südamerika. 1976 wurde er dort durch eine Todesschwadron verschleppt und fünf Monate lang gefesselt und mit verbundenen Augen an einem unbekannten Ort festgehalten. In dieser Extremsituation musste er erneut zu einer kontemplativen Haltung finden, um die Qualen jener Zeit überstehen zu können.

Seit 1978 lebt und lehrt Jalics in Gries in Oberfranken. Seine Erfahrungen ließ er einfließen in die Tradition seines Ordens, die ignatianischen Exerzitien.

Jalics schickt seine Schüler auf lange Spaziergänge durch die Natur. Er lädt sie ein, den Wind auf der Haut zu spüren, dem Lied des Vogels zu lauschen oder eine Blume zu betrachten.

Jalics lässt uns die Aufmerksamkeit einüben. Er weist darauf hin, dass wir modernen Menschen uns zugunsten der Geistestätigkeit stark auf das Urteilen oder Handeln konzentrieren und dabei in der Gefahr stehen, die Impulse von außen zu schnell zu vernutzen. Dabei vergessen wir den ersten Schritt: Die Wahrnehmung – z.B. des Körpers, des Atems oder der Handflächen. Jalics weckt die Hoffnung, dass wir auch Gott wahrnehmen werden, wenn wir unsere Wahrnehmung schärfe.

Jalics übt mit uns das „Da-Sein“.  Gewöhnlich zerstreuen wir uns mit Sorgen und Plänen in Vergangenheit oder Zukunft – „Gott aber können wir nur in der Gegenwart begegnen“, so Jalics. Wer aber wahrnimmt, der bleibt in der Gegenwart.

Jalics steht so für eine ganz gegenwarts-, natur- und körperbezogene Spiritualität. Der Weg zum Sinn führt bei ihm über die Sinne, wodurch die Beziehung zu Gott bei ihm eine besondere Unmittelbarkeit und Innigkeit erhält. Darin kann er für uns Lehrmeister und Vorbild sein.

sgd