Oswald von Northumbria

Oswald lebt als Königssohn Anfang des 7. Jahrhunderts im Nordosten des heutigen Englands, im damaligen Königreich Northumbria. Nachdem sein Vater im Krieg mit dem anglischen König Edwin ums Leben kam, sendet man Oswald als Thronrivalen ins Exil nach Iona. In diesem berühmten Kloster erhält er seine Ausbildung und lernt dort den christlichen Glauben kennen und schätzen.

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König Oswald

Als sich das politische Geschick in seiner alten Heimat wendet und Northumbria droht, zersplittert von walisischen Königen regiert zu werden, die vom Christentum nichts wissen wollen, trifft Oswald eine schwierige Entscheidung: Er beschließt, nach Northumbria zurückzukehren, in den Krieg zu ziehen und den Thron zu besteigen. In Heavenfield, so erzählt es sein Biograph Bede, richtet Oswald mit seinen Gefährten ein Kreuz auf, kniet an dessen Fuß nieder und betet.

Das, was ich bin, Herr,
lege ich in Deine Hände.
Das, was ich tue, Herr,
lege ich in Deine Hände.Alles, wofür ich arbeite,
lege ich in Deine Hände.
Alles, was ich erhoffe,
lege ich in Deine Hände.Die Beschwerden, die mich ermüden,
lege ich in Deine Hände.
Die Gedanken, die mich umtreiben,
lege ich in Deine Hände.Jeden, für den ich bete,
lege ich in Deine Hände.
Jeden, um den ich mich sorge,
lege ich in Deine Hände.In deine Hände, Herr,
lege ich die Entscheidungen,
die ich zu treffen habe.
Schütze mich davor,
den gefährlichen Weg zu gehen,
dessen Ende Herzschmerz ist
und eine verborgene Träne.

Der Du reich an Rat bist,
zeig uns den Weg,
der eben ist und sicher.

Aus dem modernen „Gebet des Oswald“
(Eigene Übersetzung aus dem Englischen)

Es kommt also zur entscheidenden Schlacht. Oswald geht siegreich hervor und vereinigt das Königreich unter sich. Schon bald muss Oswald aber erkennen, dass sein Volk von den alten Geschichten nichts mehr weiß und den christlichen Gott nicht mehr kennt. Aus dem Kloster Iona lässt er deshalb Männer des Glaubens nach Northumbria kommen, die zusammen mit ihm durch die Dörfer ziehen – die Mönche predigen und der bescheidene König übersetzt sie. Viel Zeit bleibt Oswald nicht. Der heidnische Herrscher Penda fordert ihn immer wieder heraus und schließlich stirbt Oswald, etwa 38-jährig, auf einem der Schlachtfelder.

Oswald war ein Mann, der mitten im Leben stand. Einer, der politische und soziale Verantwortung übernahm, der bereit war die Dinge – Zepter oder Schwert – selbst in die Hand zu nehmen. Ein Kriegsherr und ein König. Einer, der aber bereitwillig vor seinem Gott kniete und betete „Alles lege ich in Deine Hände“. Darin kann Oswald uns ein Vorbild sein, ganz gleich wie groß unser Verantwortungsbereich ist und welcher Tätigkeit wir nachgehen.

Beten Sie doch einmal das „Gebet des Oswald“ in einer Ihrer Arbeitspausen und erneuern Sie so Ihre Hingabe an Gott. Sie könnten das Gebet auch mit der Geste des Händeöffnens verbinden.

sgd