Christophorus

Die Christophoruslegende kann uns dazu ermutigen, einander zu tragen – und vielleicht entdecken wir dabei Christus im Anderen, dem wir gerade beistehen. Wir können dabei gewiss sein, dass wir Christus in uns tragen und dass wir von ihm getragen werden.

„Dieric Bouts 005“ von Dierick Bouts (etwa 1420-1475) - The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH.. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dieric_Bouts_005.jpg#/media/File:Dieric_Bouts_005.jpg

Christopherus

Ob Christophorus eine geschichtliche Person ist, wird allgemein angezweifelt. An lebendigen und schillernden Legenden, die sich um Christophorus ranken, mangelt es dagegen aber nicht. Besonders weit verbreitet ist die Geschichte, wie sie Jacobus de Voragine im 13. Jh. erzählte:

Christophorus sei ein auffällig großer und besonders starker Mann gewesen. Dieser Hüne von Mensch befand sich auf der Suche nach Christus, doch Gebet und Fasten – welches man ihm riet – vermochte er nicht. Da gab ihm ein Einsiedler den Rat, sich als Fährmann an einem Fluss anzubieten und die Menschen, die den Fluss überqueren wollten, ob seiner Größe auf seinen Schultern hinüber zu tragen. Christophorus folgte diesem Ratschlag in der Absicht, Christus so zu dienen, und in der Hoffnung, dieser möge sich ihm hier offenbaren. Eines Tages bat ein Kind Christophorus um seine Dienste. Am anderen Ufer angekommen, erkannte Christophorus in dem Kind seinen Herrn – er hatte Christus getragen, er war zu einem „Christusträger“, zu einem „Christophorus“, geworden.

Dass diese Geschichte vermutlich Legende ist, ändert nichts daran, dass Christophorus uns zum Vorbild werden kann. Schon Martin Luther sah in seiner legendarischen Figur ein „Ebenbild aller Christen“.

Die Christusträger-Bruderschaft z.B. schöpfte Inspiration aus dieser Legende und entlehnte ihr ihren Namen. Wie ihr Namenspatron, wollen sie Christus tragen. Im alltäglichen Tun wollen sie die Begegnung mit Gott erwarten, im Dienst ihn lieben lernen. Dabei machen sie umgekehrt, die Erfahrung von Christus getragen, von innen her getragen zu sein, denn – so glauben die Brüder – er lebt in ihnen. Christusträger sind sie und Christusträger können wir sein.