Behalten Sie das Ende im Blick

Die Sonne steht tief. Ihr Licht wird schwächer. Der Schatten länger. Jedem wird nun klar: Der Tag hat seinen Höhepunkt überschritten und geht jetzt dem Ende zu. Es ist Nachmittag und eine natürliche Beklommenheit macht sich breit. Habe ich den Tag bisher gut genutzt? Werde ich schaffen, was ich mir für heute vorgenommen habe?

Nachmittag

Nachmittag

Nach der biblischen Überlieferung liegt die Todesstunde Jesu in genau dieser nachmittäglichen Zeit. Nach schweren Tagen, der Passionswoche, und nach leidvollen Stunden der Folter und Marter, starb Jesus „zur neunten Stunde“ – das war nach antiker Zählung zwischen 15:00 und 16:00 Uhr. Seither verbindet sich das Zu-Ende-Gehen des Tages mit dem Zu-Ende-Gehen des Lebens. In der Non, dem mönchischen Tagzeitengebet dieser Stunde, beispielsweise wird der Tod Jesu, aber auch die eigene Vergänglichkeit bedacht.

Wenn der Tag so etwas wie das kleine Spiegelbild des Lebens ist, dann stehen wir am Nachmittag noch mitten im Leben und sind uns doch dem Ende bereits sehr bewusst. Wir tun gut daran, innerhalb dieser Grenzen zu agieren und sie zu wahren.

Wenn Sie die Möglichkeit haben, am Nachmittag einen Moment innezuhalten, dann fragen Sie sich im Licht des sich neigenden Tages, was wirklich wichtig ist für Ihre verbleibende Zeit. Welche Gelegenheit wollen Sie noch beim Schopf packen, um etwas aus dem Tag zu machen? Jetzt ist vielleicht die letzte Gelegenheit, um Ihren Kurs noch einmal zu korrigieren…

sgd