Pflegen Sie das Warten im Advent

Die ersten Türchen des Adventskalenders sind bereits geöffnet. Spätestens damit ist klar: Die Adventszeit hat begonnen. Aber was ist das für eine Zeit, die im alljährlichen Rhythmus wiederkehrt? Ist Advent nicht nur die Zeit der Festvorbereitungen, des Einkaufens und Backens, sozusagen eine Verlängerung der Weihnachtsfreude?

Adventszeit

Adventszeit

Die Herbstmonate Oktober und November, kurz vor der Adventszeit sind ja ohnehin Wochen der Vorbereitung: Das Auto muss winterfest gemacht, Öl oder Holz zum Heizen herbeigeschafft und die Winterjacke aus dem Schrank geholt werden. Bei allem spätherbstlichen Vorbereiten und Hinrichten neigen wir dazu, uns gleichzeitig einzurichten. Wir machen es uns bequem, auch in unserer Spiritualität. Wir werden träge, müde und satt.

Die Adventszeit ist ein Weckruf in unsere kuscheligen Wohnzimmer hinein: „Er kommt!“ Eine Ankunft wird da angekündigt. Denn eben das – Ankunft – bedeutet das lateinische adventus. Mit dieser Ankunft ist zunächst natürlich Jesu Geburt in Bethlehem gemeint, Weihnachten also. Aber in der christlichen Adventsliturgie und in den alten täglichen Lesungen der Adventszeit werden noch zwei weitere Ankünfte in Aussicht gestellt: Der Advent bei Jesu zweitem Kommen, wenn er die ganze Welt befreien, wiederherstellen und zurechtbringen wird und der Advent Jesu in unserem eigenen Leben, hier und jetzt. Wir können also in der Adventszeit, mitten in der dunklen Jahreszeit, den hoffnungsvollen Ruf vernehmen: Jesus wird kommen! So wie er in unsere Vergangenheit kam, so wird er auch in Zukunft kommen – in die Konflikte unseres Lebens und in unsere träge Spiritualität, aber auch in eine leidende und ungerechte Welt.

Weil aber die Ankunft noch aussteht, ist Advent eine erwartungsvolle und von Sehnsucht geprägte Zeit. Denn das Warten auf eine Ankunft hält uns gewöhnlich innerlich bereit und wachsam. Das kann für uns durchaus schmerzhaft werden. Richard Rohr nennt diese Haltung eine „bewusst erwählte Unerfülltheit.“ Advent ist damit eine Zeit, in der wir uns fragen können: Bin ich offen und bereit, ein Leben ohne endgültige Lösungen zu führen und dabei zufrieden, ja sogar glücklich zu sein, weil ich Erfüllung von einer anderen Ebene erwarte und auf die Quelle meines Lebens vertraue, die jenseits meiner selbst liegt? Bin ich vielleicht spirituell träge und müde und satt geworden oder spüre ich eine sehnsüchtige Erwartung in mir? Wovon will und muss ich persönlich befreit und zurechtgebracht werden und wo darf es Advent in mir werden?

sgd