Sitzen

In vielen Religionen ist das Sitzen die Geste der Meditation schlechthin. Auch in christlichen Traditionen setzt man sich zum Gebet, z. B. im Hesychasmus, einer mystischen Strömung der Ostkirche und im frühen Wüstenmönchtum.

Das Sitzen eignet sich als Geste zur inneren Sammlung. Man nimmt eine äußere Haltung ein, die längere Zeit keiner Bewegung bedarf, um zur inneren Ruhe zu kommen. Zur Sammlung kann es aber auch helfen, den sitzenden Körper bewusst wahrzunehmen. Wenn Sie so Ihre „inneren Ohren spitzen“, werden Sie mit der Zeit merken, dass Sie in dieser Stille auch empfänglicher werden für Gott.

Sitzen

Sitzen

Doch schon die alten Einsiedler wussten, dass es beim Sitzen nicht immer sogleich still zugeht. Sie verglichen das Sitzen des Mönchs deshalb mit dem Sitzen eines Steuermanns: Wie jener auf dem Schiff sitzt, das von Wind und Wogen umher geworfen wird, so sitzt der Mönch umhergetrieben und beunruhigt von seinen Gedanken inmitten der Bedrohung durch die Tiefen des Unbewussten. Doch sitzend stellt er sich alledem und durchquert seine Unruhe in der Hoffnung, stille zu werden.

Wenn Sie das Sitzen und die Sammlung üben wollen, dann könnten Ihnen folgende Ratschläge Franz Jalics hilfreich sein:

Suchen Sie einen stillen Raum oder einen Ort auf, der Ihnen möglichst wenig Ablenkung bietet. Sie können das Sitzen zwar auf einer Gebetsbank üben, ein Stuhl genügt für den Beginn aber auch. Stellen Sie die Beine hüftbreit auf den Boden, so dass sie einen rechten Winkel ergeben. Sitzen Sie aufrecht und doch locker. Legen Sie Ihre Hände flach auf die Oberschenkel oder in den Schoß. Halten Sie Ihre Augen halb geschlossen und lassen Sie Ihr Kinn leicht herunterfallen. Beginnen Sie anschließend Ihren Körper durchzugehen und verweilen Sie bei jeder Station für einige Sekunden: Beginnen Sie bei den Füßen, Beinen und dem Gesäß, gehen Sie über zum Oberkörper, zu den Händen und zum Gesicht. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit drauf, wie Sie Ihren Atem an der Nasenöffnung spüren. Atmen Sie nicht stärker, um mehr zu spüren. Nehmen Sie wahr, wie kalte Luft ein- und wärmere ausströmt. Spüren Sie den Atem im Nasengang, spüren Sie, wie er vorbei am Mundraum den Rachen hinunterströmt. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Lungen und wie sich die Rippen im Atemrhythmus bewegen. Spüren Sie es, wie sich das Zwerchfell hebt und senkt und der Bauch sich nach vorne wölbt und wieder zurückzieht. Versuchen Sie, hellwach dabei zu sein und dabei zu bleiben.

Es ist völlig ausreichend, wenn Sie in dieser Weise schlicht vor Gott da sind und da sitzen. Um sich in Ihrem Sitzen auf Gott auszurichten, können Sie zusätzlich auch den Namen Jesu mit Ihrem Atem verbinden. Sprechen Sie z.B. beim Einatmen „Jesus“, beim Ausatmen „Christus“.

Um Ihre Konzentration bei dieser Geste zu erhöhen, könnten Sie Sich die obige Anleitung mit den entsprechenden Pausen aufsprechen und ein paar Mal ausprobieren.

sgd