Hände ineinander gelegt

Es ist eine seltsame Geste, eine Art des Händefaltens, wie ich es zuvor noch nie gesehen habe. Der Kartäusermönch betet weder mit flach aneinander gelegten Händen, noch sind seine Hände verschränkt, wie sonst oft üblich. Schlicht ineinander gelegt hat er sie. Sachte, als ob er eine kostbare Perle darin verbergen würde.

Hände ineinander gelegt

Hände ineinander gelegt

Nicht nur unterwürfig

Das Händefalten ist eigentlich eine relativ junge Gebetsgeste, erst im Mittelalter tauchte sie auf, der Hintergrund ist älter: Bei den Germanen schworen die Unterworfenen mit einer Geste ihrem neuen Herrn einen Eid. Sie legten ihre Hände in die Hände des Fürsten, dieser umschloss sie und faltete sie so. Damit machten die Unterworfenen deutlich: Wir werden dir gehorsam sein, wir sind von dir abhängig. Doch diese Art des Händefaltens ist anders – nicht allein Unterwürfigkeit kommt zum Ausdruck.

Die Unruhe binden

Diese Geste verkörpert mehr. Dem kommen Sie auf die Spur, wenn Sie das Händefalten selbst einmal ausprobieren: Halten sie zunächst die Hände aneinander, ohne dass sie sich tatsächlich berühren, die Handflächen nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Spüren Sie die Wärme über den Zwischenraum hinweg, für einige Momente. Dann legen Sie die Hände ineinander. Langsam. Nehmen Sie wahr, wie die Berührung Sie sammelt – das Falten der Hände bindet Ihre Unruhe.

Kostbares behutsam halten

Natürlich kann man durch diese Geste ganz Unterschiedliches ausdrücken. Probieren Sie einfach aus, welche Haltung für Sie passt. Ich bevorzuge, die Hände sachte ineinander zu legen. Durch das Falten der Hände habe ich mich gesammelt, jetzt halte ich behutsam vor mich was mir kostbar ist, ich klammere aber nicht. So kann ich gut für andere beten, oder ich halte Gott hin, was mich herausfordert.

sgd