Entdecken Sie die Bedeutung der Knotenmuster

Der Stein muss schon alt sein. Seine Oberfläche wirkt porig, Wind und Wetter haben ihn angefressen. Stattdessen hat sich grünbraunes Moos darauf gesetzt. Darunter, immer noch gut zu erkennen, sind gemeißelten Gravuren. Doch die Linien scheinen keinen Anfang und kein Ende zu haben. Wie ewige geflochtene Bänder sind sie in den Stein gewoben. Manchmal ähneln sie dabei Pflanzenranken, ein andermal haben sie Wesenzüge eines Tieres.

Foto: Shutterstock

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Rätselhafte Muster

Solche alten Knotenmuster sieht man heute wieder häufiger. Schon früher waren sie in den verschiedensten Kulturen zu finden – sei es in Tibet oder China, in Kroatien oder Norwegen. Vor allem waren diese Muster aber in Irland, Schottland und Nordengland verbreitet. Wie sie auf die Inseln gekommen sind, bleibt ein Rätsel. Manche Forscher meinen, sie seien inspiriert worden von italienischen Vorbildern des frühen Mittelalters. Andere gehen davon aus, dass in derselben Zeit koptische Seidentücher mit Knotenmustern dorthin gelangten.

Meisterwerke der Kunst

Wahrscheinlich aber beherrschten die Kelten diese Kunstform schon lange vor dem Mittelalter. Als dann im 5. und 6. Jahrhundert die ersten Kelten den christlichen Glauben annahmen, gravierten und malten diese eifrig weiter. Sie schufen so Meisterwerke der Buchkunst, illustrierten etwa das Lindisfarne-Evangelium oder das Book of Kells. Darin hatten die Künstler kaum eine Seite nicht mit Knotenmuster verziert – Anfangsbuchstaben wurden zu ganzen Geschichten.

Bänder des Lebens

Natürlich handelt es sich bei den Knotenmustern um Verzierungen, sie sind aber viel mehr als das. Schon von ihrem Ursprung her sollten sie etwas symbolisch zum Ausdruck bringen: Würde man das Muster entwirren, das Band entknoten, dann erhielte man einen Kreis. Deshalb entsteht der Eindruck, die Muster seien unendlich. Sie wollen auf etwas Ewiges hindeuten. Auf keltischen Kreuzen sind die Knotenmuster außerdem mit der Mitte verbunden, die Mitte ist Christus. Von Christus her windet sich das Band in alle Richtungen unseres Daseins, und wie durch die Ranke einer Pflanze strömt so ewiges Leben hinein. Durch solche Bänder an Christus gebunden, kann in uns neues ewiges Leben entstehen.

Schauen Sie sich einmal ein Knotenmuster an, vielleicht auf einem keltischen Kreuz. Folgen Sie mit den Augen dem Verlauf des Bands – zu der Mitte hin und von dort wieder heraus. Verbinden Sie sich in Gedanken neu mit dieser Mitte. Bitten Sie Gott um neues Leben, wenn Sie spüren, dass ein Lebensbereich in Ihnen zu vertrocknen droht.

sgd