Tabgha Brotvermehrungskirche

Als ich am Tisch des Herrn saß

Rechts der See, links die Hügel, vor mir in der Ferne die Golanhöhen. Mit dem Auto fahre ich von Tiberias Richtung Norden nach Tabgha, einer kleinen Ortschaft am Nordwestufer des See Genezareth. Sieben Quellen soll es hier einmal gegeben haben und noch heute ist die Gegend außerordentlich wasserreich. Eine sanfte Brise streicht durch Bananenplantagen, Bougainvillea-Büsche und Wiesen – fast das ganze Jahr blüht es hier.
Foto: Shutterstock

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Auferstanden aus Schutt und Sand
Mein Ziel: Die Brotvermehrungskirche. Schon im 4. Jahrhundert soll hier eine Kapelle gestanden haben, schon damals zog sie viele Pilger an, Pilger wie mich. Von den Persern im 7. Jahrhundert zerstört, schlummerte der Ort unter Sand und Schutt einen tausendjährigen Schlaf. Erst im 19. Jahrhundert wurden die Überreste wieder entdeckt – und mit ihnen die einzigartigen Mosaike.
Neben einem Reisebus aus der Pfalz parke ich mein Auto. Jetzt trete ich durch den rechten der zwei Haupteingänge. Erst 1982 wurde die Kirche wieder aufgebaut, von einem deutschen Architekten – auf den alten Grundmauern und im ursprünglichen byzantinischen Stil.
Mich erwartet ein Innenhof, Wasserplätschern, der Schatten von einem Wachholderbaum in der Mitte, rundherum im Rechteck kühle Säulengänge. Langsam gehe ich hindurch, auf das Kirchenschiff zu. Als ich durch die Tür trete, bin ich überwältigt und begeistert zugleich – der Raum strahlt vor Wärme und Leben.
Eine Schönheit in Licht und Stein
Sonnenschein fällt durch die kleinen Fenster. Die Wände aus Sandstein färben das Licht und reflektieren es auf den Boden; das rot, ocker und braune Mosaik, das sich über den ganzen Kirchenboden erstreckt, macht beim Lichtspiel mit und wirft die Strahlen wieder zurück.
Im Seitenschiff entdecke ich auf dem Boden Abbildungen von Wasservögeln und Sumpfpflanzen, mit kleinen Steinwürfeln kunstvoll gelegt, 1600 Jahre alt. Vor dem Altar, das berühmte Mosaik mit den zwei Fischen und den fünf Broten. Ich zähle. Es sind nur vier abgebildet! – das fünfte wird bei der Eucharistie gegessen, so lerne ich später.
Wo 5000 das Himmelsbrot aßen
Hier also soll Jesus fünftausend Menschen ernährt haben. Er hatte Mitleid mit ihnen, so das Matthäusevangelium, er wollte sie nicht einfach nach Hause schicken oder zu den umliegenden Gehöften. Ein paar Fische und ein wenig Brot, mehr hatten seine Jünger nicht zu geben. Doch unter der Hand von Jesus wird es genug, alle werden satt, es bleibt sogar noch etwas übrig.
Die Theologen sagen uns, Jesus mache damit deutlich: Ich nehme eure Nöte ernst, ich kümmere mich um euch, an Leib und Geist. Gott versorgt, erinnert euch doch! – schon bei Mose hat er Israel mit dem wundersamen Himmelsbrot gespeist. Ich habe Macht über alles Geschaffene, bei mir werdet ihr keinen Hunger und keinen Durst mehr haben – in der kommenden Welt, aber auch schon hier und jetzt.
Ein wenig ungläubig sitze ich in der Kirchenbank. Doch an diesem paradiesischen Ort, umgeben von Wasser, Bäumen und Vögeln wird das alles plötzlich ganz real, es geht mir nahe. Im Stillen bete ich: Jesus, lass mich mit an deinem Tisch sitzen…
sgd