Inishmore

Klöster am Rande der Welt

Halbkreisförmig, am Rand der Klippen stehen sie über dem Atlantik, die Mauerringe der Festung von Dun Aengus. Sie ist die bekannteste Sehenswürdigkeit auf der irischen Insel Inishmore. Kleinbusse karren die Touristen vom Fährkai in Killronan über die kleine Landstraße zum Highlight der Insel. Ich will dem Herdentrieb entgehen und den Kontakt zur Natur suchen, also buche ich eine Übernachtung auf der Insel und miete mir am nächsten Morgen ein Fahrrad. Ein Gastbeitrag von Peter Aschoff
Foto: Shutterstock

Foto: Shutterstock

Sieben Kirchen
Ich radle über Dun Aengus nach Nordwesten, Richtung Onaght. Dort liegen die Ruinen von „Seven Churches“. Ich muss schon genau hinsehen, um sieben Gebäude zu entdecken. Als Kirchen zweifelsfrei identifizierbar sind auf jeden Fall zwei davon. Eine heißt Teampall Bhreacáin, nach dem Heiligen Brecan benannt.
Streitende Heilige
Brecan lebte im 5. Jahrhundert auf der Insel – zur selben Zeit wie der Heilige Enda, nur am anderen Ende der Insel. Zumindest kurzzeitig konkurrierten die beiden um die kirchliche Vorherrschaft. Um den Zwist zu schlichten, wollten sie die Insel unter sich aufteilen, so die Legende. Nach der Messe, die jeder in seiner Kirche feierte, würden sie sich zeitgleich auf den Weg machen. An dem Punkt, wo die beiden sich treffen würden, sollte dann die Grenze verlaufen. Brecan schummelte und lief früher los als verabredet. Doch Enda kam ihm auf die Schliche und auf sein Gebet hin blieb Brecan im Sand von Kilmurvey stecken. So behielt Enda den deutlich größeren Teil der Insel.
Zum Trotz blühende Klöster
Ich finde es tröstlich, dass anscheinend auch diese Heiligen nicht ganz frei von Platzhirschgehabe und Rivalität waren. Immerhin hat ihr Gerangel keine der beiden Parteien davon abgehalten, jeweils blühende Klöster aufzubauen und von dort viele Gelehrte und Pioniermissionare auszusenden. Inishmore wurde zur Attraktion für Pilger und bekam den Beinamen „Aran of the Saints“. Auf der kargen Insel lebten die Mönche ein sehr einfaches Leben, und doch gingen von hier Impulse nach ganz Westeuropa aus.
Dieser Beitrag ist ein Auszug der Reihe „Klöster am Rande der Welt“. Lesen Sie mehr von Peter Aschoff auf seinem Blog.